Durchschnitt und andere Krankheiten

Statistiken sind ein großartiges Hilfsmittel. Sie bieten Orientierung, helfen bei Entscheidungen und halfen uns unsere Welt besser zu verstehen. Durch sie erfahren wir, ob wir in der Klausur besser abgeschnitten haben, als unsere Klassenkameraden, ob im Job so viel bezahlt bekommen, wie andere mit unserem Beruf und dass kein Buch öfter gedruckt wird, als der IKEA-Katalog.

Man kann feststellen, dass Muslime mit ca. 5% die drittstärkste Religion in Deutschland ist, aber unter den ca. 60% Christen und ca. 35% Konfessionslosen eigentlich untergehen müssten.

Doch Statistiken sind immer vage und teilweise schwer zu ermitteln. So schwanken die Statistiken zum Anteil Homosexueller zwischen 0,6% und 37%. In Umfragen der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“ (BzgA) sank der Anteil der Jungen von 10 auf 5 und stieg der der Mädchen von 8 auf 13%. Sind wirklich weniger Schwul, oder wollen weniger es zugeben? Doch egal welcher der Werte richtig ist, es gibt mehr Homosexuelle als Muslime in Deutschland.

Doch was nützen uns all diese Statistiken? Wollen wir wirklich immer durchschnittlich oder besser sein? Wollen wir zur Mehrheit gehören?

  • Wollen wir wirklich die Lieder im Radio Hören, die die Meisten gerne hören, wo der Musikgeschmack doch nicht nur vor Person zu Person  unterschiedlich ist, sondern sich auf in einer Person mit der Stimmung ändern?
  • Wie können wir die Konformität durch das Streben nach dem Durchschnitt und Gleichheit in Einklang mit unserer Individualität bringen?
  • Warum erkennen wir nicht, dass es das Streben nach Waschbrettbauch und Traumfigur ist, dass uns unglücklich macht und nicht die Tatsache, das wir selbige nicht haben, was uns unglücklich und krank macht?
  • Weshalb können wir nicht akzeptieren, dass es im Leben nicht darum geht an andere heran zureichen oder sie zu übertreffen, sondern den eigenen Weg zu finden.

Wir sind als Menschen an die komplexen Mechanismen unserer Gesellschaft gebunden. Wir können nicht für uns alleine stehen, da wir sonst als Selbstversorger auf dem Feld arbeiten müssten und gegen nichts abgesichert währen. Jede Krankheit könnte den eigenen Tod zur Folge haben. Und es ist gut, dass wir in das System eingebunden sind.

Dennoch bleibst die Frage, wie weit wir uns von der Allgemeinheit lenken lassen und wo wir beginnen die Allgemeinheit zu lenken oder in welchen Bereichen wir uns aus der Gesellschaft ausklinken und in unsere eigene kleine Welt abtauchen. Ein Welt, die wir vielleicht nur für uns haben oder mit einem kleinen Freundeskreis teilen.

Die Gier nach mehr und der Wunsch alles besser zu können treibt viele an, führt sie jedoch nur in die Enttäuschung der Nichterfüllung. Es gibt immer jemanden, der besser ist, mehr hat und etwas kann, das wir nicht können. Doch statt es zu bewundern und fasziniert zu zugucken,  setzt der Wunsch das auch zu können ein.

Eltern drangsalieren ihre Kinder mit Ansprüchen schon als Kind großes zu vollbringen. Immer wenn ein Kind im Fernsehen gezeigt wird, dass z. B. großartig Klavier spielen kann, heißt es „guck mal, was andere in deinem Alter schon können“. Und welches Elternpaar sucht nicht nach einem Namen, mit dem man einen nicht aufziehen kann, damit sie dann wegen irgendwelcher anderer Gründe gehänselt werden.

Ich glaube wir brauchen in unserem Leben die Reibungen, die Konflikte und Hindernisse, um an ihnen zu wachsen. Wir müssen zumindest grob wissen, wie es auf den anderen Wegen aussieht, um uns sicher zu sein, dass unser eigener Weg der richtige ist.

Und wenn wir unseren Weg gefunden habe, sollten wir ihn konsequent gehen. Wir werden schon merken, wenn wir abbiegen müssen, weil uns der Weg nicht (mehr) weiter führt.

Und wenn wir uns entscheiden unseren eigenen Weg zu gehen, werden wir früher oder später auf Menschen treffen, die den gleichen Weg eingeschlagen habe und die viel besser zu uns passen, als wenn wir uns anpassen und auf andere treffen, die sich auch anpassen aber eigentlich einen ganz anderen Weg gehen wollen, als wir.

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